rené h.

Kaffee habe ich seit dem Studium in größeren Mengen zu mir genommen. Das was vor mehr als 20 Jahren in der Cafeteria der TU-Berlin/Hauptgebäude in die Styroporbecher floß sollte jedenfalls Kaffee sein. Meine Kommilitonen und ich haben meist etwas vom großen Becher abgegossen, mit viel – sehr viel – Kondensmilch und Zucker aufgefüllt und dann konnte man das trinken.

Nach dem Studium war es nicht viel besser, gab es doch hauptsächlich „Bürokaffee“. Obwohl ich damals im einem Konzern arbeitete der hauptsächlich mit Kaffee in Verbindung gebracht wird (Jac…), war das, was dort getrunken wurde, dass was ich heute „deutschen“ Kaffee nenne. Ob stark ob schwach, viel Gerbsäure und insgesamt ein saurer Geschmack und der Magen mochte es auch nicht so richtig.
Mit Anfang 30 begannen dann die „Experimente“. Es wurde wieder per Hand gefiltert und der Geschmack war etwas besser. Die French-Press schloß sich an… immer noch sauer, jedoch aromatischer… nicht mehr diese braune „Brühe“ aus der Glaskanne die mit Tropfen „warmen“ Wassers hergestellt wurde, trotzdem … immer noch nicht wirklich lecker.

Die Vollautomaten kamen „langsam“ in Mode und so war ich mit einer der „ersten“ die sich ein solches Gerät zulegten. Eine Jura wurde in Betrieb genommen und zum ersten Mal kam die Gewissheit durch, es muss guten Kaffee auch zu Hause geben können und nicht nur beim (guten) Italiener mit einer (was damals noch nicht im Bewußtsein war) „Gastro“.

Die Jura tat dann lange ihren Dienst und machte etwas das Nahe an das herankommt was ich heute Kaffee nenne. Als sie in „die Jahre“ kam, musste etwas Neues her und ich wollte nicht den neuen Trend mitmachen und eine dieser Pad- oder Kapselmaschinen kaufen, denn so etwas hatte sich meine Schwippschwägerin zugelegt und ich mochte das was da herauskam nicht. Zudem wollte ich mich nicht in die Abhängigkeit der Hersteller begeben und die massentauglichen Standardwaren kaufen. Es musste also recherchiert werden. Während dieser Zeit hatte ich zudem eine recht alte „Eduscho“-Espressomaschine von meiner Mutter in die Hände bekommen und bereitete damit etwas zu, was ich bereits als das identifizieren konnte was ich heute Kaffee nenne. Umständlich weil Einkreissystem, und mit gemahlenem Standardespresso aus dem Supermarkt, aber schon aromatischer als das was die Jura konnte.

Nun wer sich ernsthaft auf die Suche macht, der findet relativ schnell auch gute Foren in denen über so gut wie jedes Thema seriös gestritten wird. So auch beim Kaffee: http://www.kaffee-netz.de/ war schnell gefunden und ich las mich in das Thema Kaffee zum ersten Mal intensiv ein. Die dort gesammelten Erkenntnisse und die Diskussionen mit meiner ebenfalls gerne Kaffee genießenden Frau, lenkten uns in die einzig sinnvolle Richtung: Eine Siebträger musste her.

Auch das es ein Zweikreissystem sein sollte war nach den Erfahrungen mit der Eduscho klar. Aber welcher Hersteller? Oder doch gleich eine Gastro? Festwasseranschluß oder ist das übertrieben? Eine teure, aber vielgelobte deutsche? Lieber eine italienische, etwas preiswerter aber dafür vom „Erfinder“? Fragen über Fragen und darauf gab auch das Forum keine konkrete Antwort, denn… dort wird ja eben gerade darum gestritten wer was am liebsten mag.

Nach einem gescheiterten Versuch eine kleine Gastro von „windigen Italienern“ (war ein stürmischer Tag 😉 ) zu erwerben und dem Besuch eines noblen Ladengeschäfts in der Berliner West-City die ausschließlich die teuren deutschen Maschinchen verkaufen, machten wir dann eine Internet-Session bei den einschlägigen Herstellern und entschieden uns für Bezzera. Die BZ99 war schließlich das was uns optisch und preislich am Symphatischsten war. … und dann kamen die Dreißigs und Espresso-Prego.

Nach einigen PNs im Forum war ich bereit mir auch mal die BZ07 anzuschauen und besuchte gemeinsam mit meiner Frau den etwas „unorthodoxen Laden“ in Bötzow. Mitten in der „Schrauberwerkstatt“ wurde uns dann den ersten Kunden (!) mit viel Engagement die BZ07 vorgeführt. Auch die BZ99 war „irgendwo“ 😉 zu sehen und daher konnten wir die beiden Maschinen miteinander vergleichen.

Da Frauen ja bekanntlich wert auf Optik legen (meine war sofort Feuer und Flamme … für die BZ07!) war die Entscheidung – bei lockerer Unterhaltung mit Espresso und viel Info rund um Espresso, Maschinen und was dazugehört – schnell getroffen. Auch von den Preisen waren wir angenehm überrascht, so dass eine passende Mühle plötzlich noch mit in das Budget passte.
Das Geschäftliche war schnell, unbürokratisch aber rechtssicher abgewickelt und wir fuhren mit der Bezzi in Richtung Heimat.

Seit wir sie haben macht sie hervorragenden Espresso. Die Bedienung ist lt. Aussage meiner Frau nach kurzer Zeit „schnell, unkompliziert und nicht langsamer als die Zubereitung mit dem Vollautomaten“. Lediglich das Suchen nach der optimalen Kaffeebohne, oder besser gesagt den Sorten die uns am besten schmecken, hat seine Zeit gedauert. Diese war jedoch mit dem Genuß wesentlich besseren Kaffees verbunden, als je zuvor.

Und wie sieht morgentliche Praxis aus? Die externe Zeitschaltuhr macht die Maschine ca. 20 Minuten vor dem Aufstehen an. Siebträger raus, Kaffee aus der Mühle in den Träger, kurz gestampft (getampert), Siebträger rein, Knopf gedrückt … ~30 Sekunden zuschauen wie die leckere Flüssigkeit in die Tasse fließt oder nebenbei (Vorteil des Zweikreissystems) Milch aufschäumen. Und für alle folgenden Kaffees geht das genauso, denn die Maschine braucht keine Pause. Einmal warm geht es hintereinander, was auch – wenn z.B. die Familie zu besuch ist – in einer vernünftigen Zeit für mehr als 3 Kaffees sorgt.

Es ist selten, dass wir etwas Vergleichbares an Kaffeegenuß in der Gastronomie erleben, weil sich leider zunehmend die Vollautomaten verbreiten. Aber ein Gutes hat es: Wir trinken am liebsten unseren Kaffee zu Hause. 😉
 

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